Den Tag zu einem guten Tag machen

„Lache – denke – weine – und du hast einen höllisch guten Tag!“
(Jimmy Valvano, ESPY Rede 1993)

Außergewöhnliche Lebenssituationen führen zu außergewöhnlichen Erkenntnissen. Aus einer solchen Situation heraus kommt auch die Lebensweisheit des Zitats von Jimmy Valvano. Bekannt wurde er als erfolgreicher Basketballtrainer verschiedener Colleges. Sein tragisches Schicksal war, schon Mitte vierzig an einem sehr aggressiven Krebs zu erkranken. In der wenigen Zeit, die ihm blieb, dachte er darüber nach, was sein Leben lebenswert macht.

Jimmy Valvano lenkte schon als Coach die Aufmerksamkeit seiner Spieler auf die seiner Meinung nach wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Er fragte danach, was man im Fokus behalten muss, wenn man erfolgreich sein will. Er spornte andere an, an sich selbst zu glauben. Sein Motto war: never give up! – und genau das blieb ihm bis zuletzt wichtig. Sein Fokus lag täglich auf drei Dingen: Nutze jeden Tag bewusst und lache, denke und weine. Wer jeden Tag mit anderen lacht, wer seine Zeit zum Denken nutzt, wer sich berühren lässt und weinen kann, der macht jeden Tag zu einem höllisch guten Erlebnis, sagt er. In seinen Worten (» ESPY Rede von Jimmy Valvano) klingt das so:

„LAUGH – THINK – CRY – and have the hell of a day.“

Ich habe ich mich inspiriert gefühlt, mir die Frage zu stellen: Sind es diese drei Dinge, die auch für mich einen „höllisch guten Tag“ ausmachen? Für mich sind es die folgenden drei Dinge:

1. Fühlen

Für mich gehören Lachen und Weinen in die Kategorie Gefühle zeigen. In meiner Welt heißt das: Spüre dich und sei dir deiner Gefühle bewusst. Lache, wenn du glücklich bist und weine, wenn du Tränen hast. Stecke mit deinem Lachen andere an und mute dich mit deinen Tränen anderen zu. Erlaube dir, ein fühlender, verletzlicher, gefühlvoller Mensch zu sein. Denn das ist zutiefst menschlich. Indem wir unsere Gefühle zeigen, schaffen wir Nähe zu anderen Menschen. Wir zeigen uns verletzlich. Wir berühren andere, weil wir etwas sehr Wertvolles und Intimes mit ihnen teilen: Freude und Tränen.

Wenn wir viel Glück im Leben haben, gibt es mehr Freude als Tränen zu teilen. Es macht mich dankbar, mir dessen bewusst zu werden, dass es ein großes Geschenk ist, seine Gefühle mit anderen teilen zu können.

2. Bewusst sein

Wenn Jimmy Valvano an zweiter Stelle das Denken nennt, interpretiere ich ihn so, dass er von bewusstem Nachdenken spricht. Unbewusst läuft der Denkapparat ununterbrochen, doch es sind die bewussten Gedanken, aus denen wir Rückschlüsse ziehen, Erkenntnisse gewinnen, Entscheidungen treffen. Gedanken liegen Gefühlen und Taten zugrunde. „Unser Leben ist das, wozu unser Denken es macht“, wusste vor knapp 2000 Jahren schon Marc Aurel, der bis heute als ein sehr einflussreicher Denker geschätzt wird. Der Wert von Gedanken kann deshalb gar nicht überschätzt werden.

Ich nehme mir jeden Morgen ein paar Minuten Zeit, um bewusst über folgende Fragen nachzudenken:

  • Wofür bin ich dankbar?
  • Was tue ich, damit der Tag „gut“ wird?
  • Welcher positive Gedanke soll mich heute begleiten?

Denken heißt für mich daher auch: Verantwortung für seine Gedanken zu übernehmen und sich ihrer bewusst zu sein.

3. Sich verbinden

Wenn ich eine Art Lebensformel in drei Punkten zusammenfassen soll, dann ist mein letzter Punkt: sich verbinden. Die Verbindung mit der Natur gibt mir jeden neuen Tag Kraft und Mut, Freude und Vertrauen, Gelassenheit und Zuversicht. Ich verbinde mich auf ganz verschiedene Weise, zum Beispiel wenn ich

  • meinen Blick zum Horizont richte und in die Weite des Himmels eintauche
  • Pflanzen berühre, sie rieche oder sie in ihrer Form, Farbe und Schönheit wahrnehme
  • den Boden unter meinen Füßen spüre und mir bewusst werde, welchen Halt mir die Erde gibt
  • mir den Wind um die Nase wehen und über meine Haut streichen lasse
  • am Meer sitze und einfach hinaus aufs Wasser schaue
  • … die Natur immer wieder neu entdecke …

Wie diese Verbindung zustande kommt, spielt keine Rolle, es zählt nur das Ergebnis: Ich fühle mich verbunden mit der Welt, der Natur, den Elementen. Das stärkt mich auf eine sehr mysteriös unwissenschaftliche Weise. Es geht eine absolut spürbare innere Kraft davon aus und gibt mir das Gefühl, dass dies ein sehr guter Moment des Tages ist.

Ich bin da

Während ich diese Gedanken aufgeschrieben habe, wurde mir bewusst, wie lange mich diese Schwerpunkte fühlen – bewusst sein – sich verbinden schon begleiten und mein Leben, mein Denken und Handeln prägen. Sie sind wie Leitsterne, denen sich zu folgen lohnt, meine ich.

An diesen Leit-Sternen orientiert, habe ich immer Leit-Sätze entwickelt – positiv und konkret formuliert. Sie helfen mir, mein Leben als erfreulich und angenehm zu empfinden, gerade dann, wenn ich auch Unangenehmes und Schmerzliches akzeptieren muss.


Mein Leben liegt in meiner Hand.
Eine Affirmation aus dem Buch: „Ich bin da. Sich SELBST BEWUSST wahrnehmen.
Mit Affirmationen dem Leben POSITIV begegnen“

Gerade das ist die (Lebens-)Kunst: Annehmen, was das Leben uns schenkt und zumutet, und loslassen, was wir verlieren oder was keinen Platz mehr in unserem Leben hat. Immer wieder gilt es, die eigene Lebenssituation zu akzeptieren, Grenzen anzuerkennen, das innere Leid loszulassen und sich positiven Gefühlen zu öffnen.

Wenn Sie eine Lebens-Formel hätten …

… wie wäre die? Gibt es drei Dinge, die nach Ihrer Erfahrung einen Löwenanteil daran haben, ob ihr Tag gut oder schlecht wird? Können sie auch so eine Art Kurz-Formel finden, mit der Sie ganz bewusst Ihren Tag zu einem guten Tag machen?

Wie ich anfangs sagte, machen wir uns gerade in außergewöhnlichen Lebenssituationen häufig automatisch solche Gedanken. Vielen wird bewusst, was sie vielleicht verpasst haben und was sie gerne noch machen möchten. Das können große oder auch kleine Dinge sein. Und es gibt die täglich wichtigen Dinge.

Die drei wichtigen Dinge in meiner Lebens-Formel sind: Gefühle annehmen – bewusst denken – mich mit der Natur verbinden. Gelingt mir das, dann habe ich – um es nochmals abschließend mit Jimmy Valdanos Worten zu sagen – einen „höllisch guten Tag“.

In diesem Sinne: Finden Sie Ihre eigene Lebens-Formel und folgen Sie ihr unbeirrt. Und vor allem: Haben Sie noch einen schönen Sommer und bleiben Sie gesund!

1 Antwort
  1. Christopher Seidel sagte:

    Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen 🙂

    Antworten

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