Zeit der Stille

„Die größten Ereignisse – das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden.“
(Friedrich Nietzsche)

Letzte Nacht war irgendetwas anders als sonst. Es war so ungewöhnlich anders, dass ich davon aufgewacht bin und überlegen musste … WAS IST DENN JETZT LOS???

Die Antwort war: NICHTS!!! Ich hörte nichts! Obwohl Fenster und Balkontür geöffnet waren, war es einfach nur still und leise – ganz anders als sonst, wo ein ewiges, ungleichmäßig lautes Rauschen die Hintergrundmusik meines Schlafes ist. Ich bilde mir immer ein, es könnte das Meeresrauschen sein , wobei es in Wahrheit die Tag und Nacht befahrene A3 ganz in der Nähe ist. Doch nicht so letzte Nacht. Es herrschte Stille.

Chancen der Stille
Ein großes Ereignis: Stille Stunden

Kennengelernt habe ich tiefe Stille in meinem Sabbatjahr. Im Jahr 2002 zogen wir – mein Mann, ich und unsere beiden Huskys – uns für eine Weile zurück nach Kanada. Wir wohnten einsam an einem See, mitten im Wald. Es gab keine Zivilisations-Geräusche dort. Nur Naturgeräusche vom See und seinen Wellen, die auf Steine klatschten oder ans Ufer aufliefen; Geräusche, verursacht vom Wind in Baumwipfeln und Gräsern; Geraschel, Gekrabbel, Gezirpe und andere Geräusche der Kleintiere und Vögel. Und hinter allem lag immer eine durchdringende Stille. Unvergesslich tiefgehend.

Daran fühlte ich mich letzte Nacht erinnert während mir bewusst wurde, dass ich diese für Deutschland so ungewohnte Stille einem winzigen, unsichtbaren Etwas zu verdanken habe: einem Virus. Es hat für uns alle viel verändert in den letzten Wochen. Und heute, nach einer Woche, weitgehend ohne echte soziale Kontakte und überwiegend im Haus, wird mir erst langsam bewusst, was das alles auch noch in den nächsten Wochen bedeuten kann. Daran, dass es mir wieder eine Begegnung mit geliebter Stille schenken würde, hatte ich überhaupt nicht gedacht!

Was macht Stille so großartig?

Sie gibt vor allem unserem Gehirn einen großen Freiraum. Hintergrundgeräusche sind normalerweise ein ständiger Stressfaktor. Doch mit weniger Menschen und damit zwangsläufig weniger Autos auf den Straßen verändert sich das. Ruhe breitet sich aus, wirkt beruhigend auf Seele und Geist, das Gehirn entspannt sich zunehmend. Gedanken nehmen eine ganz andere Richtung und wir können uns leichter auf das Hier und Jetzt konzentrieren.

Stille und mögliche spürbare Folgen:

  • Achtsam bist du auf das fokussiert, was du gerade tust.
  • In Ruhe und ohne Ablenkung nimmst du wahr, was du ansiehst.
  • Großzügig lässt du Gedanken Raum, Selbstreflexion oder Genuss verstärken sich.
  • Bewusst nimmst du Stille wahr und vielleicht gelingt es, neben dem Lärm auch anderes loszulassen.

wunderbare Stille

Das alles sind tolle Chancen, die ein achtsamer Umgang mit Stille ermöglicht – wenn wir uns das selbst erlauben! Gerade jetzt, wo wir zuhause bleiben und unseren Wohnraum mit anderen Menschen teilen müssen, trägt jeder noch mehr Verantwortung für sein Wohlbefinden. Jeder tut gut daran, sich kleine Oasen der Stille im Alltag zu schaffen und damit seinem Nervenkostüm eine Möglichkeit der Regeneration. Denn Stille, Achtsamkeit und Loslassen stärken uns nachgewiesenermaßen mental mehr als alles andere.

Nimm dir täglich deine stille Stunde!

Jeder in der Familie braucht seinen Rückzug. Ich empfehle daher, offen und bewusst damit umzugehen, z.B. in dem Sie mit den anderen Familienmitgliedern eine tägliche Stunde des Rückzugs verabreden. Miteinander sprechen ist befreiend und verbindend gleichzeitig. Dadurch wächst das Verständnis, dass jeder einzelne ungestörte Zeit für sich selbst braucht.

Diese Corona-Krise eröffnet also ganz nebenbei unvorhergesehene und ungeplante Möglichkeiten mit sehr positiven Effekten. Nehmen Sie sich Zeit, um Bedürfnisse jedes Familienmitglieds auf den Tisch zu bringen, jeder darf sagen, was er oder sie persönlich braucht. Und das betrifft gerade auch den Wunsch nach Abstand und Rückzug – was keine Zurückweisung der anderen bedeutet, sondern die Zuwendung zum eigenen Erholungsbedürfnis. Darin liegt eine Chance, sich den anderen mit seinen Wünschen zu zeigen und gerade dadurch mehr gegenseitiges Verständnis und wohlwollende Rücksichtnahme zu kultivieren.

Wenn Ihnen die Stille zu viel wird …

… dann gibt es ja immer Möglichkeiten genug auszuweichen. Lärm und Bespaßung sind in unseren Medien schließlich allgegenwärtig. Sie haben die Wahl.
Was ich damals in meinem Sabbatjahr aus der Stille heraus geboren habe, war Idee der Beratung per Email. Gerade hatte ich meine Weiterbildung als Gestalttherapeutin abgeschlossen und ich wollte gerne mit Menschen arbeiten. Also baute ich mir eine Website mit dem Namen: Mut zum Leben. (Einige erinnern sich vielleicht.) Genauso fühlte ich mich: Die Stille und der Rückzug haben meinen Mut zum Leben verstärkt. Das wollte ich weitergeben.

Inzwischen ist viel passiert, ich biete Coachings in verschiedensten Formen an. Die Emailberatung ist immer ein Teil davon geblieben, ergänzt durch andere Beratungsformen, auch online. Wenn Sie Bedarf haben sollten, jetzt einmal ein bestimmtes Thema weiterzudenken, Lösungen zu finden oder sich selbst zu stärken, Sorgen zu teilen oder/und sich neue Impulse zu holen, dann bin ich natürlich sehr gerne für Sie da. Per Email oder auch persönlich face-to-face über das Internet. Informieren Sie sich auf meiner Website und schreiben Sie mir, wenn Sie mögen.

Für stille Stunden

Vielleicht wissen das viele von Ihnen noch gar nicht, aber ich habe auf meiner Website auch eine Seite mit dem Namen: Seelennahrung. Vieles dort bietet sich für stille Stunden an. Zum Beispiel stehen verschiedene Meditationen für Sie kostenlos bereit. Es gibt auch online Kurse und Übungen mit achtsamen Bewegungen, Buchtipps, eine Gedichtauswahl und mehr.
In meinem Blog können Sie unter vielen Beiträgen stöbern und interessante Themen finden, aktuell von letzter Woche einen Gastbeitrag von Frau Geisler aus Berlin: Hier & Jetzt – bewusst leben.
Und natürlich empfehle ich auch meine Bücher (zu finden im Online-Shop), und besonders gut geeignet für stille Stunden ist mein Gedichtband „Geschenkte Momente“.

In diesem Sinne – machen Sie es sich gerade jetzt allem zum Trotz schön und vergessen Sie nicht, sich ab und zu in einer stillen Stunde zu erholen und neu zu zentrieren.

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