Vor kurzem schrieb mir jemand – sagen wir, sie heißt Tina – „Heute morgen, bevor ich zur Arbeit musste, hörte ich draußen einen Vogel singen … Das war ein richtig guter Start in den Tag.“ Und sie schrieb weiter: „Vielleicht hast du Lust, mal einen Newsletter zum Thema ’nichts ist selbstverständlich‘ zu machen.“
Jetzt habe ich mich daran erinnert und ich habe Lust, das zu machen lachen.

„Ich bin dankbar, nicht weil es vorteilhaft ist, sondern weil es Freude macht.“(Seneca)
Dankbarkeit ist erlernbarSenecas Zitat zeigt, dass Dankbarkeit ganz unterschiedlich verstanden werden kann. Dank als Unterwürfigkeit oder als Auslöser für gegenseitige Verpflichtung auf der einen Seite; Dank als ein die Seele erhebendes Gefühl auf der anderen Seite. In diese letzte Kategorie fällt auch die Sichtweise, nichts als selbstverständlich zu nehmen. Das ist mit einem tief empfundenen Gefühl von Dankbarkeit verbunden, das zahlreiche Facetten aufweisen kann wie z.B. Freude, Würdigung, Demut, Spiritualität, Liebe, Wärme und sicher noch weitere, die mir im Moment nicht gegenwärtig sind.

Tina bringt uns in Erinnerung, wie gut es sich anfühlt, das eigentlich Selbstverständliche zu bemerken und es positiv zu würdigen. Der Vogel singt – und wer ihm zuhört, sich von seinem Gesang erreichen und berühren lässt, geht beschwingter weiter und nimmt ein freudvolles, inspirierendes, motivierendes Gefühl mit auf seinen Weg.

Nichts ist selbstverständlich

Es gibt keine Garantien im Leben. Jeder Tag ist ein Geschenk. Doch Selbstverständlichkeit der Dinge ist ein mächtiger Gegenspieler von Dankbarkeit. Gesundheit. Ein Zuhause. Ein gutes Essen. Lesen und Schreiben können. Schönes Wetter. Freundliche Menschen. Glückliche Wendungen. Sommernächte. Ein gutes Buch. Oder Vogelgesang. Der Alltag macht uns oft unempfänglich. Das Geschenk des Lebens sehen zu können, kommt nicht von alleine, sondern es braucht die Absicht, es sehen zu wollen. Es braucht die Muse und die Offenheit, sich Momente der Dankbarkeit zu gönnen und das Leben auf diese Weise ganz bewusst zu genießen.

Dankbarkeit ist erlernbar

Dankbarkeit sorgt in diesem Sinne für ein gutes Lebensgefühl, gehobene Stimmung und insgesamt für eine bessere Lebensqualität. In der Wissenschaft gilt es inzwischen als gesichert, dass positive Emotionen einen wesentlichen Beitrag zu mentaler und organischer Gesundheit leisten. Eine unter vielen Studien weist z.B. eine verbesserte Herzfunktion bei Menschen nach, die systematisch Dankbarkeit üben. Gleichzeitige Nebeneffekte sind bessere Schlafqualität und reduzierte Entzündungswerte (Download der Studie, PDF, englisch). Also lohnt es sich, Dankbarkeit im wahrsten Sinne des Wortes regelrecht zu üben.

Dankbarkeit ist erlernbar

Sich wohl zu fühlen in seiner Haut, in seinem Umfeld, in seinem Leben ist mehr als ein Geschenk. Die moderne Psychologie betrachtet es heute als eine erlernbare und kultivierbare Fähigkeit, seinen emotionalen Zustand zu steuern. Diese Ansicht wird vor allem von Hirnforschern geteilt. Sie beziehen sich auf die Entdeckung der neuronalen Plastizität des menschlichen Gehirns – das heißt verkürzt gesagt: Unser Gehirn ist formbar. Das, was wir tun, hat Auswirkungen auf unsere Gedanken und Gefühle und umgekehrt.
Negative Gefühle haben vergiftende Wirkung auf Organe und Gemüt: Eine Laus läuft dir über die Leber, einer spuckt Gift und Galle, etwas schlägt uns auf den Magen. Das überrascht nicht, sondern ist akzeptiertes Allgemeinwissen, das jeder am eigenen Körper erfährt. Genauso funktioniert es umgekehrt mit positiven Gefühlen, sie wirken sich gesundheitsförderlich auf Körper und Geist aus. Im Zentrum der Forschung steht vor allem das Gefühl von Dankbarkeit. Ihm wird eine zentrale Rolle in der Gesundheitsvorsorge zugerechnet und manche behaupten sogar: Dankbarkeit macht glücklich.
Achtsam die Welt sehen – sich dankbar fühlenAchtsamkeit nimmt ihre treue Schwester Dankbarkeit an die Hand und führt sie durchs Leben.
Gemeinsam sorgen sie dafür, dass du dich wohlfühlst.

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Einfach tun!

Dankbarkeit ist ein rares Gut, heißt es. Sie gilt vielleicht sogar als altmodisch. Obwohl Kinder noch lernen, Dankeschön zu sagen, erzeugt das nicht unbedingt auch die Haltung dahinter. Das müssen wir als Erwachsene vielleicht auch erst ganz neu für uns selbst lernen.
Drei Tipps aus der positiven Psychologie:

  1. Führe ein Dankbarkeitstagebuch und schreibe täglich mindestens drei Dinge auf, die dich mit Dankbarkeit erfüllen. Es muss nichts Großes sein, es reicht die Verbindung oder Würdigung des Selbstverständlichen.
  2. Unternimm regelmäßig Dankbarkeits-Spaziergänge. Benutze deine Sinne: sehen, hören, riechen, Menschen anlächeln und sie wahrnehmen, das Neue entdecken …
  3. Sag anderen öfter mal ein ernst gemeintes, uneigennütziges Dankeschön. Du machst ihnen damit eine Freude – und wir alle wissen: Nichts ist schöner, als das.

Wer diese Übungen machen möchte, achte bitte auf Folgendes:
Es geht nicht darum, sich vor negativen Gefühlen zu drücken, denn die sind ebenso wichtig und brauchen ihren berechtigten Platz. Es geht auch nicht darum, sich zu trösten oder zu sagen, immerhin habe ich dies und jenes und andere haben es schlimmer. – Verbinde dich vielmehr mit DEINEM Gefühl tief empfundener Dankbarkeit.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen genussvollen Sommer. Genießen wir die Vorteile und die Freude, die Dankbarkeit mit sich bringt!

1 Antwort
  1. Ulli Peters sagt:

    Verehrte Konstanze Quirmbach,

    herzlichen Dank für Ihre Aussage!!!

    Großartig!!!

    Herzliche Grüße aus München mit Dank für Ihre
    Newsletter.

    Ulli Peters
    PS

    Täglich sage ich meinem Schöpfer Danke für meine geistige und körperliche Beweglichkeit und Vitalität und Gesundheit.

    In unserer Gesellschaft könnte Dank noch viel
    mehr ausgesprochen werden. Gehen wir mit gutem Beispiel voran!!

    Antworten

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