Scheidewege

„An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.“
(Charlie Chaplin)

In den letzten Wochen habe ich erfahren, wie unsicher sich offene Situationen anfühlen. Und ich hätte mir wirklich ab und zu gewünscht, es gäbe einen eindeutigen Wegweiser der sagt:

Hier entlang geht es zur richtigen Entscheidung!
Hier entlang geht es zur falschen Entscheidung!


Wäre das nicht erleichternd? Doch meine Lebenserfahrung lehrt mich, dass sich eine für richtig gehaltene Entscheidung als „falsch“ entpuppen kann, weil sie nicht dorthin geführt hat, wo ich mich auch später noch glücklich fühle; und so manche zweitbeste Entscheidung oder eine unumgängliche Lebensentwicklung, Schicksalshärte oder Notlösung hat sich als goldrichtig herausgestellt, weil sie mich – aus der Rückschau heraus – zu einem wundervollen Ergebnis geführt hat.

Unsicherheit

Tatsache ist jedoch: Wir können nicht wirklich wissen, was sich in Zukunft, abhängig von der Entwicklung aller Umstände, als falsch oder richtig herausstellen wird. Bevor wir uns also entscheiden, spielen wir in unserem Kopf die Wahrsagerin oder den Kartenleger und versuchen, so gut es geht in die Zukunft zu schauen: Welche Bedürfnisse werden wir haben? Welche sollen wie bedient werden? Wird die Entscheidung auch meiner Familie, meinen Berufswünschen, meinen Beziehungen und so weiter gerecht? Wird alles zusammenpassen, wenn ich diesen Weg einschlage?
Der Weg nach innen geht dem Weg nach außen voraus. Klick um zu Tweeten
Und alle Alternativen, die wir durchgehen, werden uns letztlich keine klare Antwort geben, sondern müssen Spekulation bleiben. Denn wir verlassen uns im Augenblick der Entscheidung auf die Erfahrungen unserer Vergangenheit. Wir prüfen die Bedürfnisse, die wir bereits kennen. Was Neues auf uns zukommen könnte und wahrscheinlich auch kommen wird, das können wir beim besten Willen nicht berücksichtigen, denn wir sind nun mal keine Hellseher. Es bleibt immer ein großes Stück Unsicherheit.

Selbstverantwortung aus vollem Herzen

Sobald ich Verantwortung für meine Entscheidungen übernehme, und zwar mit Herz und Hand und Verstand, erhöhe ich alleine durch mein Engagement und entsprechendes Verhalten die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Dinge in die gewählte Richtung entwickeln, um ein Vielfaches. Ich sorge selbst für die gewünschte Entwicklung, weil ich voll dahinter stehe und nicht mehr zögernd und zweifelnd zurückschaue; ich schaffe Klarheit, Stimmigkeit, Orientierung und Sinn, weil ich den eingeschlagenen Weg annehme und akzeptiere, dass an Scheidewegen nur ein gangbarer Weg möglich ist, dass ich nicht nach links und nach rechts gehen kann.

Mit einem eingeschlagenen Weg verabschiede ich mich von anderen, die zuvor auch möglich gewesen wären. Ein Ja zu einer Lösung und einem Weg bedeutet auch immer ein Nein zu anderen. Das ist die Wahl, die ich genau dort am Scheideweg treffe. Und danach engagiere ich mich mit all meiner Kraft, mit all meiner Liebe und all meinen Fähigkeiten. Ich schaue nicht mehr zurück, sondern gehe nach vorne und lebe aus vollem Herzen.

Erleichterung

Stunden, Tage und Wochen des Abwägens, entstehende Unsicherheiten, innere Unruhe und Suche nach Orientierung, aufkommende Ängste, zermürbendes Nicht-Wissen-Können – all das wird mit einer Ent-Scheidung beendet. Mit der Festlegung wird ein Ziel greifbar, entstehen wieder Sicherheit und Sinn. Die Zukunft kann damit nicht voraussagbar gemacht werden, aber sie wird planbar und damit fühlt sich das Leben zumindest wieder sicherer an. Zuversichtlicher. Leichter.

– Ja, klar haben Sie recht, wenn Sie sagen, diese Erleichterung hält nur bis zur nächsten Kreuzung, die uns wieder mit einem Scheideweg konfrontiert. Und sicher müssen wir dann wieder einen ähnlichen Prozess durchlaufen. Doch ist das nicht auch genau die Art und Weise, uns an den Fluss des Lebens und seine Herausforderungen immer wieder neu anzupassen? Meiner Auffassung nach sind und bleiben die nützlichsten Wegweiser an jedem Scheideweg die eigenen – oft widersprüchlichen – Bedürfnisse: Was passt zu mir und was brauche ich wirklich? Der Weg nach innen geht dem Weg nach außen voraus.

Drücken Sie mir also die Daumen, dass ich in meinem gerade etwas aufregenden Leben die „richtigen“ Entscheidungen treffe. Ob das gelingt, kann ich natürlich erst später wissen, wenn ich aus der Rückschau auf die heutige Zeit zurückblicke.

In diesem Sinne – leben Sie beherzt und entscheidungsfreudig in den Sommer hinein. Und mir fällt nun noch ein Satz von Oscar Wilde ein:

„Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“


Stehen auch Sie an einem Scheideweg? Fühlen Sie sich unsicher in einer offenen Situation und suchen Sie einen Wegweiser? – Gerne unterstütze ich Sie mit meinem Angebot Beratung | LifeCoaching. Schreiben Sie mir!

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