Dankbarkeit spüren

„Es sind nicht die Glücklichen, die dankbar sind, es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“
Sir Francis Bacon (1561-1626)

Dankbarkeit

Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht, jeden Morgen zunächst einmal einem Gefühl von Dankbarkeit etwas Zeit zu geben. Ich sitze einfach nur da und denke über die Frage nach: Wofür bin ich jetzt dankbar? Solange ich denke, steigen klischeehafte Formeln in mir auf, z.B.: Ich bin dankbar für diesen neuen Tag, dankbar für das Geschenk des Lebens. Das stimmt auch jeden Tag, ich bin wirklich dankbar für mein Leben. Doch wenn ich aufhöre zu denken und wirklich ins Spüren komme, dann bemerke ich noch eine andere, eine tiefere Dankbarkeit: Ich bin dankbar für mein warmes Bett, mein weiches Kopfkissen; für den Duft von Kaffee und meine Lieblingstasse; für die aufgehende Sonne, das weiche Licht; ich bin dankbar für dieses Gefühl, das Dankbarkeit in mir auslöst. Ich fühle mich reich.

Werte leben

Nichts ist selbstverständlich

Wer ein Zuhause hat, essen kann, was ihm schmeckt, Kleider hat, in denen er sich wohlfühlt, vielleicht Freunde und sogar eine Arbeit hat, kann sich einen glücklichen Menschen nennen.
Erkennen Sie sich darin wieder? Sind Sie in diesem Sinne auch ein glücklicher Mensch?

Wie auch schon zu Zeiten von Sir Francis Bacon, folgt daraus nicht selbstverständlich ein Gefühl von Glück. Dieses Gefühl stellt sich erst mit dem Bewusstsein über das gute Leben ein, also eher dann, wenn wir es nicht mehr für selbstverständlich nehmen, sondern wenn wir dankbar dafür sind. Dankbarkeit öffnet das Herz und damit eine Tür in die Welt des Nicht-Selbstverständlichen, des Gefühls für genau diesen Moment. Dieser mag vielleicht des Gigantisch-Großartigen entbehren, doch er bringt die Größe in jedem noch so kleinen Gefühl zum Leuchten und lässt es zu einem strahlenden Teil unseres Selbst werden.

Genieße die kleinen Dinge

Werte

Was ist eigentlich wichtig, richtig und von Wert im Leben? Philosophie und Religion versuchten von jeher Antworten auf diese Frage zu finden und haben in unterschiedlichen geschichtlichen Epochen die jeweiligen, sich wandelnden Wertesysteme wesentlich geprägt. In dieser Tradition stehen wir auch heute. Mir erscheint gerade in der heutigen Zeit eines beklagten zunehmenden Werteverlustes persönliche Klarheit über die Frage wichtig: Welche Werte prägen mich im Leben und wie setze ich sie in meinem Alltag um?

Wer sich tatsächlicher seiner Werte im Klaren ist, kann sich für das entscheiden, was ihm/ihr wichtig ist und für dazu passende, konkrete Verhaltensweisen. Werte geben Orientierung. Sie können uns im Alltag bei Entscheidungen helfen, das jeweils Richtige in unserer Welt zu tun. Oder bildhafter ausgedrückt: Werte sind Fundament und Dach für das Haus eines befriedigenden Lebens. Sie bilden einen zuverlässigen Rahmen und geben inneren Halt für Entscheidungen, Handlungen und Gewohnheiten.

Gewohnheiten

Von großem Wert ist dabei das, was wir gewohnheitsmäßig tun. Nur an einen Wert zu glauben, genügt nicht, um ihm im Alltag auch Kraft zu verleihen. Zum Beispiel nutzt es keinem, Liebe zu einem hohen Wert zu erheben, wenn wir andere diese Liebe nicht spüren lassen; oder wenn Menschlichkeit dort aufhört, wo es um den eigenen Vorteil geht; oder wenn friedliches Miteinander zum hohlen Wort wird, sobald andere nicht unserer Meinung sind. Denn am Ende zählt nicht, was wir als Wert postulieren, sondern es zählt das, was wir tun. Erst in der konkreten Umsetzung eines Wertes entfaltet sich seine wertvolle Wirkung: in der Sache selbst, nach außen in die Welt, nach innen auf uns selbst.

Goethe sagte es so:

Verleihe den Dingen Wert

Eine Gewohnheit ist das, was wir uns angewöhnen regelmäßig zu tun. Auf diese Weise setzen wir Werte um, jeden Tag ein wenig mehr. Für andere und für uns selbst hat das Bedeutung. Hier schließt sich für mich ein Kreis: Wenn ich mich innerlich bedanke für das, was das Leben mir schenkt, verleihe ich ihm bewusst einen Wert und verbinde mich mit ihm. An diesem Gefühl freue ich mich – oder um es mit Sir Francis Bacon sagen: Diese Dankbarkeit macht mich glücklich.

Wie verleihen Sie Ihren Werten Ausdruck?

Es gibt viele Werte, denen wir mit unserem Verhalten Ausdruck verleihen, zum Beispiel Mut und Tapferkeit, mit denen wir Ängste und schwierige Situationen bewältigen; oder auch Menschlichkeit und Freundlichkeit, die uns im Umgang mit anderen Menschen leiten; oder auch Geduld, die wir vor allem häufig mit uns selbst haben müssen.

Mich interessiert, wie Sie darüber denken. Welche Werte finden Sie besonders wichtig? Und was mich auch sehr interessiert ist: Wie setzen Sie diese Werte im Alltag um?
Vielleicht können wir uns gegenseitig bereichern, indem wir uns über unsere Werte austauschen und darüber, wie wir in unserem Alltag durch das, was wir tun, der Welt Wert verleihen. Ich möchte an dem spannenden Thema dranbleiben und greife es gerne im nächsten Newsletter wieder auf. Also: Bitte schreiben Sie mir oder schreiben Sie hier einen Kommentar. Ich denke, es kann ein kostbarer Austausch werden.

Und damit habe ich schon wieder einen weiteren Grund, dankbar zu sein :-) In diesem Sinne – seien Sie dankbar und glücklich!

9 Kommentare
  1. Uli sagte:

    Folgende Werte sind mir wichtig:
    Gesundheit
    Freundschaft
    Zuverlässigkeit
    Humor
    Toleranz
    Optimismus
    Zielstrebigkeit
    Freiheit
    Weiterentwicklung
    Vertrauen

    Wichtig ist es für mich, mir die Werte, die mir wichtig sind, immer wieder bewusst zu machen.

    Antworten
    • Konstanze Quirmbach sagte:

      Liebe Uli,
      vielen Dank für deinen Kommentar – das ist ja eine ganze Menge! Gibt es damit verbundene bestimmte Gewohnheiten oder Verhaltensweisen, mit denen du diese Werte umsetzt? – Ich wünsche dir auf jeden Fall gutes Gelingen!

      Antworten
      • Uli sagte:

        Ich lebe nicht nur einen Wert, und sie ändern sich ja auch, je nach Kontext. Werte sind bewusst und (leider) auch oft unbewusst Teil meines/des Lebens, geben Sinn. Natürlich bin ich nicht immer optimistisch oder zielstrebig, vielleicht bin ich auch nicht immer eine gute Freundin, bin auch mal intolerant. Doch ich versuche, so gut es eben geht, ein an diesen Werten orientiertes Leben zu leben. Ich sehe meine Werte als das Fundament, auf dem ich mein Leben aufbaue. Bzw. versuche ich, es darauf aufzubauen ?

        Antworten
  2. Andrea sagte:

    Hallo! Danke für den schönen letzten Newsletter! Ich habe mir von Ulrike Hirsch das Bild „Ich liebe dich“ gerahmt und als Motto aufgestellt. Das ist schon 2 Jahre her und ich versuche das Motto zu leben: alles mit Liebe tun… Es gibt so viel Gutes, was man tun, denken und machen kann und was man der Welt und den Menschen schenken kann. Sie haben wie immer so sehr Recht und ich wünschte, viel mehr Menschen würde sich Zeit für solche Zeilen und ein wenig innere Einkehr nehmen… Danke und ich freue mich auf alles Kommende! Herzliche Grüße! Andrea

    Antworten
  3. Anne Peters-Dings sagte:

    Liebe Frau Quirmbach, Danke für den neuen Newsletter. Dankbarkeit ist ein großes Geschenk, wenn ich sie vor allem in den kleinen Dingen des Lebens spüren darf. Obwohl es mir nicht immer so gut geht, bedeuten mir gerade die positiven Gedanken sehr viel, auch liebe Zeichen in der Familie und von meinen Freunden. Sie helfen mir, immer wieder neue Kraft für mich zu finden, und das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Natürlich bin ich auch öfter traurig, weil ich viele Begebenheiten, wie früher, nicht mehr so einfach hinbekomme. Aber um so mehr bin ich dankbar für die Dinge, die mir zeigen, dass das Leben trotzdem lebenswert ist. Liebe Frau Quirmbach, Ihnen wünsche ich eine gute Zeit, liebe Grüße, Anne????

    Antworten
    • Konstanze Quirmbach sagte:

      Liebe Anne,
      Dankbarkeit kann gerade auch in schwierigen Lebenssituationen ein großer Helfer an unserer Seite sein. Sie bereichert das Leben schon alleine dadurch, dass sie sich nicht auf den Mangel, sondern auf die Fülle richtet. Das berühmte halb volle Glas – perfekt ist nie etwas und nicht alles ist gut, aber es findet sich immer etwas, das doch gut ist und wofür wir dankbar sein können. Das ist auch ein Stück gelebte Lebenskunst um die Zauberworte: Akzeptieren und Loslassen.
      Auch für Sie eine gute Zeit,
      herzlichen Gruß
      Konstanze

      Antworten
  4. Claudia sagte:

    Hallo Frau Quirmbach
    Habe mich sooo sehr auf Ihren Februar-Newsletter gefreut.
    Schön, dass Sie da sind !!!
    Danke, dass Sie da sind !!!!!!!!
    Für mich gibt es ein unschlagbares Paar – es heißt „Bitte und Danke“. Dieses Paar öffnet Türen, es ändert mich selbst und den anderen und erinnert mich an persönliche Balance, Waage der Gesellschaft und an das zweite wichtige Paar „Geben und Nehmen“ mit dem Ergebnis, durch Geben reicher zu werden. Dankbarkeit ist wie ein Fundament für’s Leben, eine wahre Kraft- und Energiequelle.

    Antworten
    • Konstanze Quirmbach sagte:

      Liebe Claudia,
      vielen Dank für die klare Zusammenfassung des Wertes, den Dankbarkeit in jedes Leben bringen kann. Ich bin begeistert!
      Lieben Gruß,
      Konstanze

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