Neubeginn

Das Gedicht von Dorothee Sölle ist überraschend, weil es auf ungewöhnliche Weise die Angst vor dem Tod mit sozialen Themen und persönlichem Neubeginn verbindet. Es gelingt ihr zu überraschen, das Wahrnehmungsfeld der Leser größer und ihre Herzen weiter werden zu lassen.

Ein herzinfarkt

Tom erzählt mir wie er glaubte zu sterben
vor schmerzen und vor angst
bis die ambulanz kam und der große schwarze
ihm sagte dad du machst jetzt einfach
was wir dir sagen

Und weil noch nie ein fremder ihn vater nannte
ließ tom die jungen machen
ließ die angst gehen nicht die schmerzen
und wartete mit verwunderung was weiter mit einem gewissen
tom x geschähe in der klinik

Und ich möchte ein lied singen
für einen unbekannten ambulanzfahrer
in einer stadt die für gewalt berühmt ist
ein lied für einen mann der einem anderen
mitglied der menschlichen familie
einen friedensnamen schenkt

Und ihn zum vater gemacht hat
so daß ich gleich sah
als ich ins krankenhaus kam
daß tom etwas geboren haben muß

Dorothee Sölle
Aus: Dorothee Sölle, Spiel doch von Brot und Rosen, Gedichte. © Wolfgang Fietkau Verlag, Kleinmachnow

Dorothe Sölle war unangepasst. „Rebellin und Mystikerin“ – so fasst der Titel ihrer Biographie zusammen, was ihr wichtig war in ihrem Leben. Ihre Einstellung hat Vorbildfunktion. Ihr kommt es darauf an, dass Menschen nicht ihre Liebe zueinander vergessen.
Dafür kämpft sie. „Liebesfähig zu werden, ist das Ziel des Lebens.“

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.