Michaele Kundermann war auf dem Sternenweg und hat ein Buch darüber geschrieben: BeWEGt vom Atem der Erde bis mitten ins Herz – Camino de la Plata – Unterwegs auf dem äußeren und inneren Jakobsweg. Schon viele vor ihr sind auf dem Jakobsweg gepilgert und viele haben darüber geschrieben. Und doch erzählt jeder seine ganz individuelle Geschichte.

Der Reiz des Pilgerns

Über Jahre verteilt haben unterschiedlichste Impulse das Interesse Michaele Kundermanns geweckt, haben es verstärkt und schließlich zu dem Entschluss geführt, die Pilgerwanderung zu machen. Und das, ohne im Wandern überhaupt irgendwie erfahren zu sein. Sie hat die Entscheidung in die Tat umgesetzt und sich in Zamora auf den Weg gemacht, der sie in vielfacher Hinsicht überrascht hat und ein guter Lebens-Lehrer war. Denn so wie im richtigen Leben auch, erlebt der Wanderer auf seinem Weg Höhen und Tiefen, eigene Grenzen und Möglichkeiten, Rückschläge und Höhenflüge. Es ist wohl diese Dichte, die den Weg zu einem unvergesslichen Erlebnis macht.

„Die Logistik des Pilgerlebens ist sehr einfach …“, schreibt Michaele Kundermann. Wer den Jakobsweg nach Santiago gehen will, bekommt von ihr viele hilfreiche Tipps und kann sich eine gute Vorstellung davon machen, was ihn erwartet. Nicht nur von angenehmen Begleiterscheinungen, sondern auch von dem Unangenehmen, mit dem es sich zu arrangieren gilt.

Blasen, Stille, Erzähllaune und Schnarcher

Auf dem Weg

© Walter Hepp


Morgens sind die Beine häufig noch schwer, die Füße durch Blasen lädiert. Nach dem Pflegen und Pflastern macht sie sich auf den Weg. Der Geist fühlt sich rasch beflügelt, denn die Morgensonne wirft ein freundlich glitzerndes, verspieltes Licht auf die Welt. Tau auf Blättern und Gräsern, Stille zwischen Bach und Hügeln. Mit zunehmender Entfernung schmerzen die Blasen an den Füßen und die Sonne brennt erbarmungslos, die Kilometer werden länger und länger. Doch andererseits wächst Schritt für Schritt auch ein Gefühl von Stolz und Freude über das Erreichte, und so erfüllt kommen die Pilger am erreichten Tagesziel an. Dort, beim Essen, entsteht Erzähllaune, denn man trifft sie dort wieder, die tagsüber Überholten oder Zurückblieben, tauscht sich über seine Gefühle, Schwierigkeiten und Hilfsmittel aus, preist die Schönheiten und erkennt Begrenzungen. Manche Herberge auf dem Weg ist nicht ganz so einladend und Schnarcher in gemeinsamen Schlafsälen stellen eine eigene Herausforderung dar, ebenso wie die gewöhnungsbedürftige spanische Küche. Manche müssen lernen, Pausen zu machen, weil die Knochen nicht mehr mitmachen, während andere sportlich und fit sind und manchmal zu schnell an den Beschaulichkeiten des Weges vorübereilen. Jedem wird auf dem Weg etwas Persönliches gespiegelt.

Der Jakobsweg wird zur Metapher für einen inneren Weg.

© M. Kundermann


Jeder pilgert durch sein eigenes Leben und weiß von Schmerzen, Mühsal, Durchhaltevermögen und auch von Siegesgefühlen, Stolz und erfüllender Ermüdung, wenn er an einem Ziel angekommen ist. Auch davon handelt das Buch. Michaele Kundermann lernt innere Qualitäten zu entdecken und zu schätzen, während sie auf dem äußeren Weg ist. Diese Qualitäten leuchten wie „Sterne“, ähnlich den glitzernden Quarzsteinen am Wegesrand. Doch während der Jakobsweg durch seine gelben Pfeile immer die richtige Richtung weist, müssen wir diese Richtungspfeile im richtigen Leben entbehren und unsere Richtung selbst finden. Immer wieder spielen Orientierung und Vergewisserung, noch auf dem richtigen Weg zu sein, eine wichtige Rolle. „Es war ein ständiges Spiel von Gehen und Orientieren. Gleichermaßen braucht man diese Qualitäten bei jedem Projekt im Leben.“ (Seite 82)

Pilgerlatein

Michaele Kundermann schließt ihr Buch mit ihrem „Pilgerlatein“ ab – mit Einsichten, die sie auf ihrem persönlichen Weg gewonnen hat. Mir gefällt diese hier besonders gut: „Du bist ein Wanderer. Das Ende eines Tages ist der Anfang eines Neuen. Das Ende eines Weges bereitet dir einen neuen Weg.“

Mein Fazit:

Ein unterhaltsames und informatives Buch für alle, die der Metapher des Weges folgen wollen. Es macht Lust, sich mehr in der Natur zu bewegen und seinen Weg langsam und genussvoll zu gehen.

Michaele Kundermann: BeWEGt vom Atem der Erde bis mitten ins Herz: Camino de la Plata – Unterwegs auf dem äußeren und inneren Jakobsweg.

1 Antwort
  1. Claudia Bäumer sagt:

    Ein sehr interessanter Beitrag, der mir neue Denkanstöße gegeben hat, für „meinen“ Weg auf dem Camino in 2 Jahren. Auf dem Jakobsweg zu pilgern, ist für viele ein Ziel, für mich mein Lebenstraum, den ich verwirkliche. Ich schätze Sie als (Blogger-) Kollegin und möchte Sie auf diesem Weg herzlich zu meiner Blogparade „Lebst du schon, oder träumst du noch?“ einladen. Aus ihrer eigenen Arbeit und Erfahrungen heraus, können Sie bestimmt einen interessanten Artikel schreiben. Ich freue mich von Ihnen zu lesen!
    Alles Liebe und Gute, Claudia Bäumer
    Infos und Details zur Blogparade: https://lebensduft.net/2016/04/15/lebst-du-schon-oder-traeumst-du-noch-einladung-zur-blogparade/

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