Sorgen-frei leben – Ich weiß, dass wir uns das alle wünschen! Wie glücklich wären wir, wenn das Leben leicht und schön und sorgenfrei wäre! Stimmt das nicht? Doch lassen Sie sich von dem Titel nicht täuschen: Ich verspreche Ihnen nicht einen Weg zu einem sorgenfreien Leben.

Wir könnten uns genauso gut wünschen, dass Wasser nicht nass wäre

Sorgen sind normale Begleiter im Leben. Oftmals machen wir uns unnötig Sorgen, ein anderes mal sind Sorgen berechtigt. Unser Gehirn produziert sie unter anderem deshalb, damit wir auf Probleme aufmerksam werden und uns damit auseinandersetzen können. Oft begegnen sie uns als grübelnde Gedanken, als Angst oder Verunsicherung, können Schlafprobleme, Konzentrationsschwäche und noch viele andere Auswirkungen haben. Manch einen führen sie gar in depressive Stimmungen oder Schwermut und Angstzustände, wenn es ganz schlimm kommt.

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Soweit muss es aber nicht kommen. Manche Frohnatur ist in der glücklichen Lage, nur wenig von Sorgen belastet zu sein, doch „normale“ Menschen wie du und ich müssen sich der Herausforderung stellen und mit ihren sorgenvollen Gedanken einen Modus Vivendi finden, müssen sich mit ihnen arrangieren und mit ihnen umgehen. Am besten natürlich so, dass wir trotz unserer Sorgen ein relativ unbeschwertes und angenehmes Leben führen können.
Das ist ein realistischer Wunsch – und es gibt auch Wege dorthin.

Letzte Nacht habe ich mich mit einigen Sorgen herumgeplagt und mich gefragt: Wie gehst du denn jetzt vor, um wieder schlafen zu können? Als ich heute früh darüber nachdachte, ist mir die Struktur meiner Gedanken bewusst geworden. Diese möchte ich hier vorstellen.

Ein 5-Punkte-Plan:

1. bewusst werden

Sich seiner Gedanken bewusst sein – das steht am Anfang. Sorgen haben ihren Platz und sie haben ihren Wert. Das ist mir deutlich geworden. Dieser Wert liegt aber nicht darin, dass die Sorge mich quält, sondern er liegt in der Erkenntnis, dass sie mich auf etwas hinweist, das mich ängstigt. Erst wenn ich mir darüber bewusst werde, dass ich in den sorgenvollen Gedanken stecken bleibe, kann ich etwas tun, um sie langsam unter Kontrolle zu bekommen. Ein achtsames Umgehen mit mir hilft dabei, das Durcheinander und das Verstricktsein in die Gedanken zu bemerken – um es dann aufzulösen und anders damit umzugehen.

2. annehmen

Anerkennung dessen was ist, steht immer vor jeder Veränderung. Was wir ablehnen, das machen wir stark. Wir führen ihm Energie zu, weil wir es bekämpfen, und dann bleibt es wichtig und geht nicht mehr weg. Nehme ich meine Gedanken aber an und nehme ich die Situation an, dass ich mich gerade hilflos und ängstlich fühle, dass diese Gedanken mich beherrschen und ich keinen Ausweg sehe, dann kann ich der Sorgenfalle entkommen.

  • Schritt eins: Ich erkenne an, dass diese Gedanken wichtig sind, sonst wären sie nicht da.
  • Schritt zwei: Ich erkenne meine Gefühl an, die sich in den Sorgen ausdrücken. – Das ist nicht unbedingt angenehm, denn sie mögen mir meine Not und Schwäche zu deutlich vor Augen führen.
  • Schritt drei: Ich nehmen die Konfrontation mit dem Unangenehmen an.
  • Schritt vier: Ich entscheide mich für eine wohlwollende und liebevolle Betrachtung meiner Sorgen. Sind sie letztlich nicht wie das Kind, das nicht weiß, wie es weitergeht? Dieses „Kind“ in mir braucht jetzt eine Umarmung und Verständnis. Es will in seiner Angst und Hilflosigkeit gesehen werden.
Der sorgenvolle Denker

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3. fragen

Nun ist der erwachsene Anteil herausgefordert. Du übernimmst selbst die Für-Sorge!
Dem inneren Kind hilft es bereits, nicht zurückgestoßen, sondern ernst genommen zu werden. Doch das reicht natürlich noch nicht. Jetzt wirst du die Sorgen genauer ansehen und Fragen stellen wollen:

  • Bringt es mich weiter, diesen Gedanken zu denken?
  • Wohin führt mich dieses Denken?
  • Welches Problem steckt eigentlich hinter der Sorge?
  • Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Situation eintritt?
  • Was könnte ich konkret zu einer Lösung beitragen?
  • Lässt sich das Problem überhaupt lösen?
  • Welchen nächsten Schritte traue ich mir zu?
  • Wann könnte ich diesen Schritt machen?

4. entscheiden

Fragen locken Antworten hervor. Antworten führen zu neuen Erkenntnissen. Erkenntnisse ermöglichen Entscheidungen. An dieser Stelle ist ganz viel Richtungswechsel möglich. Der erwachsene Teil in dir übernimmt Verantwortung für das, was als nächstes passiert. Denn dieser Teil trifft jetzt die Entscheidung darüber, wie du aktiv mit den sorgenvollen Gedanken umgehen willst. Folgendes kann hilfreich sein:

  • Ziehe eine realistische Bilanz: Was kann schlimmstenfalls passieren?
  • Und was ist dann das Problem? (Frage weiter!)
  • Entwerfe einen konkreten Plan, was du in dieser Situation dann brauchst.
  • Denke darüber nach, wo du Hilfe bekommen kannst.
  • Lege dich zeitlich fest, wie lange du noch an den sorgenvollen Gedanken festhalten musst, bevor du deinen Plan umsetzen wirst.

Es könnte passieren, dass du am Ende des Prozesses zu der gleichen Erkenntnis kommst wie Abraham Lincoln: „Halte dir jeden Tag 30 Minuten für deine Sorgen frei und mache in dieser Zeit ein Nickerchen.“ Auch das kann ein durchaus gut funktionierender Plan sein.

5. Mut zeigen

Die sorgenvolle, hilflose Haltung gleicht der eines Opfers, das zusammengekauert und wehrlos in der Ecke sitzt. Die Haltung des Fragenden, der nach einer Lösung sucht, gleicht der eines mutigen Kämpfers (Täters). Aufrecht und wehrhaft stellt er sich den Sorgen entgegen. Das Opfergefühl ist mit dem bedürftigen inneren Kind in uns verbunden, während das Tätergefühl dem mutigen Erwachsenen in uns zuzuordnen ist. Der Kämpfer ist streitbar, weicht der Konfrontation nicht aus, ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und aktiv für sich einzustehen.

Opfer und Täter

Wir tragen beide Teile in uns. Das „Opfer“ braucht Verständnis, der „Täter“ muss zu seinem Mut finden. Den Sprung aus der Opfer- in die Kämpfer-Haltung kannst du schaffen, in dem du Selbst-für-sorge übernimmst, die wohlwollend annehmend der Schwäche ihren Platz lässt und sich verantwortungs- und vertrauensvoll auch auf ihren Mut besinnt. Die folgende Geschichte erzählt das im Bild zweier Wölfe.

Wolf in uns

Bildquelle: Tatjana Schlör

„Mein Junge, jeder Mensch hat in seinem Inneren zwei Wölfe, die gegeneinander kämpfen“, sagte ein alter Indianer zu seinem Enkelsohn. „Ein Wolf ist böse. Er kämpft mit Ärger, Neid, Eifersucht, Sorgen, Selbstmitleid …
Der andere Wolf ist gut. Er ist liebevoll, friedfertig, annehmend, hoffnungsvoll, dankbar, demütig …“
„Und welcher Wolf gewinnt?“, rief der Junge.
Der Alte antwortete: „Der Wolf, den du fütterst.“

Fazit: Nutze deine Sorgen, um deinen Mut zu nähren – damit er stark in dir werden kann.

„Fürchte dich nicht vor Veränderung, eher vor dem Stillstand.“ Laotse

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