In den letzten Tagen erfahre ich wieder einmal mehr die tiefe Wahrheit des weisen Ausspruchs Senecas: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer.“ Das war also vor 2000 Jahren auch schon so.

Manchmal glaube ich, nur m i r a l l e i n e ginge es so: Da nehme ich mir etwas so so so fest vor, stehe mit viel Überzeugung dahinter, weiß genau, es ist das Richtige und absolut das, was ich will – und dann tue ich doch nicht konsequent das Notwenige, um mein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wie enttäuschend.
Manchmal glaube ich, je stärker ich mir etwas vornehme, umso lauter wird eine widersprechende innere Stimme. Hartnäckig und nicht mundtot zu kriegen. Es ist absurd, was sie mir sagt – schließlich w e i ß ich doch, was ich will!!! Und dennoch schafft sie es immer wieder, mich zu verunsichern und zurückzuwerfen, suggeriert mir, meinen Hintern nicht von der Couch zu bewegen, höchstens zum Kühlschrank statt zum Schreibtisch zu gehen, noch ein bisschen zu zaudern und vielleicht noch mehr zu lesen (um ja auch sicherzugehen), anstatt endlich umzusetzen, was schon lange reif ist.

Diese innere Stimme redet mir auf eine überzeugend unlogische Weise ein, mein Vorhaben sei vielleicht zu eindeutige Botschaftgewagt, zu schwer, nicht umzusetzen; es könnte zu viele Unebenheiten enthalten, mich angreifbar machen. Je länger die innere Diskussion andauert, umso schwerer wird es in der Tat, weil ich mich selbst aus dem Konzept bringe. – Was ist das nur für ein verrückter Mechanismus, der da abläuft?

Da kommt mir der Satz Senecas wie gerufen. Vor allem der zweite Halbsatz öffnet mir schlagartig die Augen, erfüllt mich mit Hoffnung, weckt Tatkraft und Mut in mir: Was ich mir vornehme, das ist ja „eigentlich“ gar nicht für sich genommen schwer. Doch weil ich es hundertmal hin und her wälze und mir selbst tausend Steine in den Weg lege, mache ich es mir schwer. Schluss damit, jetzt packe ich es an! Nicht zaudern, sondern tun ist die Devise.

Mag sein, dass das Ergebnis nicht perfekt sein wird, dass ich mich angreifbar mache und Gegenwind zu spüren bekomme. Aber ist das nicht bei allem so, was wir im Leben tun? Selbst bei den Dingen, die ich super gut vorbereitet und so perfekt wie irgend möglich durchgeführt habe, konnte ich diese Risiken nicht ausschalten. Es gibt immer Kritiker, es gibt immer irgendetwas, das noch besser zu machen ist. Und längeres Warten und Gedankenwälzen ändert kein kleines Bisschen daran.

Was ich mir daher heute selbst sage, das sage ich auch allen, die es hören wollen: Setze Deine Vorhaben mit Leidenschaft und Lust in die Tat um! Bleib dran, entmutige Dich nicht selbst, und wenn du steckenbleibst, denke daran, dass es Dir nicht alleine so geht, sondern dass das Auf und Ab zu jedem Prozess gehört. Das Entscheidende ist, in diesen Momenten nicht aufzugeben, sondern – wenn nötig mit angepassten, kleineren Zwischenschritten – das Feuer neu zu entflammen und weiterzugehen.

Das Ergebnis zählt. Frei nach Jean Jaurès, einem französischen Philosophen: Wir möchten das Feuer weitergeben, nicht die Asche.

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