Achtsamkeit bedarf der Erfahrung

Erklären zu wollen, was Achtsamkeit bewirkt, ist ein wenig so, als wollte ich den Duft von Jasmin erklären. Weich und süß hängt er in der Luft. Voll und prall kann er dich fast schwindlig machen. Du möchtest innehalten, einatmen, noch ein wenig mehr von dem Duft aufnehmen und deine Lungen und deine Sinne ganz damit erfüllen. – Jetzt weißt du immer noch nicht, wie Jasmin riecht, trotz meiner Erklärung. Die eigene Erfahrung ist eben durch nichts zu ersetzen.

Genauso ist es mit Achtsamkeit. Du hältst inne und möchtest den Augenblick bewusst auskosten, möchtest spüren, erleben, beobachten, was ist. Möchtest dich davon ausfüllen lassen und ganz bei dir sein. Von Moment zu Moment, neu und frisch wahrnehmen, was gerade geschieht. – Wieder weißt du nach diesem Erklärungsversuch nicht, wie sich Achtsamkeit anfühlt. Aber vielleicht spürst du schon das Vielversprechende, das sich in dieser kurzen Beschreibung ankündigt. Die Erfahrung allerdings müsstest du selbst machen, sie ist durch keine Beschreibung der Welt zu ersetzen. Und schließlich wird es jede und jeder unterschiedlich erleben.

Zauberhaft

Achtsamkeit ist keine Zauberei, aber es wohnt ihr etwas Zauberhaftes inne. Vielleicht ist es das, was letztlich der eigenen Erfahrung bedarf. Vielleicht beschreibt das am Besten, was Achtsamkeit bewirken kann: die Erfahrung der Verzauberung des Augenblicks.
Wenn wir wirklich innehalten, öffnet sich ein Augenblick wie eine Blüte. Er entfaltet viele überraschende Facetten und jede lädt ein, sie in Ruhe zu erforschen: ihre Farbe, ihren Duft, ihr Aussehen, die Vielfalt. Gehen wir achtlos vorüber, entgeht uns dieses Wunder. Verweilen wir aber im Augenblick, fühlen wir uns plötzlich entlastet, freier und reicher.

Achtsamkeit als Quelle persönlichen Reichtums

Achtsamkeit schenkt uns meiner Meinung nach etwas Wesentliches, weil wir unsere Wahrnehmung als Quelle ganz persönlichen Reichtums erfahren. Dazu muss gar nichts Besonderes passieren. Der Alltag bietet so viele Möglichkeiten, sich achtsam einzulassen, dass selbst das Gewöhnliche überraschend wird. Der große Unterschied des Erlebens liegt in der persönlichen Haltung, mit der wir dem Augenblick begegnen. Wir gehen mit der Absicht vor, wohlwollend wahrzunehmen. Wir möchten den Moment erleben, ohne das zu bewerten, was ist; wir bringen achtsam unsere Achtung dem Erleben gegenüber zum Ausdruck und nehmen die Erfahrung an. Wir distanzieren uns von Inhalten und gehen dazu über, Körper, Gefühle, Gedanken, Impulse und anderes zunächst einmal nur zu spüren und bewusst alles wahrzunehmen. Mehr ist nicht nötig, der jeweilige Augenblick fordert nichts weiter. Und das nimmt uns Druck, entlastet, befreit und reduziert gefühlten Stress.

Achtsamkeit erfordert den Mut, sich auf dieses Wenige einlassen zu wollen. Wohlwollend annehmen was ist, ohne etwas tun zu müssen. Beobachten und wahrnehmen. Es gibt sonst nichts zu tun, als den Reichtum der Erfahrung zu genießen.

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