Ja, auch das ist Achtsamkeit: Du tust etwas ganz Gewöhnliches, Alltägliches, das du ohnehin gerade machen oder erledigen willst, und bist dabei achtsam. Es kommt ja nicht darauf an, was du tust, sondern wie du es tust.

So passiert es jedem von uns mehrmals täglich, dass wir etwas trinken wollen. Das mag ein Kaffee oder Tee am Morgen sein, später im Laufe des Tages mehrmals ein Glas Wasser und am Abend gönnen wir uns vielleicht ab und zu ein Glas Wein oder Bier oder was auch immer. Ich finde, frisches Wasser, ein heißer Tee oder duftender Kaffee, ein Martini, Cocktail oder kühles Bier sind es wert, mit Genuss und achtsam getrunken zu werden! Vielleicht in den folgenden 7 Stufen:

Stufe 1: Bewusstsein
Sei dir bewusst, dass du gleich etwas trinken willst. Spüre kurz deinen Durst, die Beschaffenheit in deinem Mund, die Erwartung deines Magens. Atme während dieser kurzen Orientierung nach innen tief ein und aus und mach dir bewusst, dass du dir gleich etwas gönnst – eine flüssige Erfrischung.

achtsam trinken

Stufe 2: Anschauen
Sieh dir jetzt das Getränk an. Welche Farbe hat es? Welche Spritzigkeit, Beschaffenheit, Inhaltsstoffe? Wo kommt es her und welchen Weg hat es hinter sich, bis es in deinem Glas ankommt? Nimm für einen Moment deine Gedanken dazu wahr. Ohne irgendetwas zu bewerten. Bemerke lediglich, was in diesem Moment des Anschauens kommt und geht.

Stufe 3: In die Hand nehmen
Nimm jetzt das Glas, die Flasche oder Tasse in die Hand. Was bemerkst du zuerst? Das Gewicht vielleicht? Wie sich das Material anfühlt? Oder die Temperatur deines Getränkes? Fühlt es sich eckig, rund, weich oder rauh an? Lass die Hand spüren, was da ist, und nimm es wahr.

Stufe 4: Riechen
Halte das Gefäß jetzt einen Moment lang dicht vor Mund und Nase. Rieche daran – atme ein und mach dir den Duft bewusst, evtl. auch, was du damit verbindest. Bemerkst du, dass etwas ausgelöst wird? Läuft dir vielleicht schon in Erwartung des Getränks das Wasser im Mund zusammen? Oder feuern deine Neuronen und bringen Bilder und Erinnerungen hoch? Oder passiert nichts?

Stufe 5: Den Mund berühren
Ein Glas oder eine Tasse mit dem Mund zu berühren, löst andere Gefühle aus als die Berührung nur mit der Hand. Jetzt, kurz vor dem Trinken ist der Moment, bewusst diesen Unterschied zu erleben! Fühle bewusst das Gefäß auf der zarten und weichen Innenhaut deiner Lippe.

Stufe 6: Trinken
Jetzt nimm einen Schluck. Behalte ihn im Mund. Koste den vollen Geschmack und beobachte dich. Fokussiere deine Aufmerksamkeit ganz auf dieses intensive Erlebnis in deinem Mund, wo alle Geschmacksnerven sind.

Stufe 7: Schlucken
Die Krönung des achtsamen Prozesses beim Trinken ist schließlich das absichtsvolle und bewusste Schlucken. Ahhhhh – es rinnt die Speiseröhre hinunter, kommt im Magen an, kühl oder warm, mild oder scharf – wie geht es dir damit?

Ich finde, das Gewöhnliche hat diese Adelung verdient. Das ist ein würdiger Vorgang für einen lebenserhaltenden und lebensstiftenden Prozess: achtsames Trinken. Ich freue mich über eure „Erlebnisberichte“ in den Kommentaren! Danke. Verbeugung

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