Jahreswechsel 2012/2013. In diesem Jahr habe ich mir keine Vorsätze genommen. Bereits den Jahreswechsel selbst habe ich ganz bewusst einfach kommen lassen, mit einer offenen Einstellung für das, was auf mich zukommt. Sinne, Körper, Geist und Herz wenden sich der Welt zu, begierig und bereit, alles anzunehmen.

auf dem Weg seinSo ist diese offene Haltung dem neuen Jahr gegenüber dann doch zu einem Vorsatz – nein, besser gesagt, zu einem Motto geworden:

Ich bin unterwegs, bin auf meinem Weg. Dieser Satz ist mir nun zum Begleiter geworden in den ersten Tagen des Jahres. Ohne große Erwartungen, aber mit Vorfreude, erwartungsvoll und gespannt. Darauf habe ich mich reduziert. Ich nehme das Leben Schritt für Schritt.

Das Feuer des Antriebs

Lebenslust und Leidenschaft, Interesse an Menschen und der Glaube an das prinzipiell Gute im Menschen (von manchen als romantischer Irrglaube verspottet) sind der Treibstoff meines inneren Antriebs, der in zwei Hauptrichtungen geht:
Zum einen verfolge ich meine Ziele voller Energie, und zum anderen erlaube ich mir, im Hier und Jetzt jeden Schritt einzeln und für sich zu nehmen, zu genießen und eventuell sogar zu korrigieren. Manches ergibt sich erst, während ich bereits auf dem Weg bin. Ich halte es deshalb für selbstverständlich, sich immer wieder mit seinem Gespür für den Weg insgesamt und für den jeweils anstehenden Schritt zu verbinden.

Es mutet mich wie ein kleines Wunder an, wie wir Menschen es schaffen, uns auf allen Zeitebenen gleichzeitig zu bewegen: Ziele haben sich in der Vergangenheit herauskristallisiert, wir haben unsere Entscheidungen getroffen, haben uns ihnen verschrieben. Sie machen uns aus, weil sie unserem Tun und unserem Streben Sinn geben. So denken wir in die Zukunft, während wir im Jetzt handeln als die Person, zu der wir im Laufe unseres Lebens geworden sind.

Kleinschrittig wachsen

Wir wachsen an den Herausforderungen, die uns begegnen. Dabei spielt eine vorherige Absicht nicht die entscheidende Rolle, sondern bewusstes Annehmen. Menschen können uns ein Spiegel sein, Ereignisse sind unsere Lehrer, in der Natur finden wir eigene Qualitäten, wenn wir nur richtig hinsehen. Ohne etwas Bestimmtes erreichen zu wollen, bereichert eine offene Haltung durch unerwartete Begegnungen. Genau dort präsent zu sein, wo wir sind, schärft die Sinne, inspiriert den Geist und regt eigene Initiative an. Wir geben uns Zeit, Ziele in uns entstehen zu lassen. Wie selbstverständlich werden wir dann einen Schritt nach dem anderen tun, um unser Ziel zu erreichen. Kein Druck, keine Selbstvorwürfe, kein Überehrgeiz und keine Frustrationen. Wachstum findet auf natürliche Weise statt und selbst Rückschritte fügen sich wie selbstverständlich ein.

Es bleibt uns der gegenwärtige Moment, um uns zu verwirklichen. Auf dem Weg zu jedem beliebigen Ziel konfrontieren wir uns von einem Schritt zum nächsten mit den Gegebenheiten, seien es Überfluss oder Mangel, Verzweiflung oder Energieüberschuss, Über- oder Unterforderung oder sei es das Gefühl, alleine gelassen oder getragen zu sein. Ob wir Gelegenheiten mutig nutzen oder sie ängstlich verstreichen lassen – wir gestalten Zukunft während wir in unserer Gegenwart Entscheidungen treffen.

beWEGt

Auf meinem Weg ist mir eine Kollegin auf dem ihren begegnet: „BeWEGt vom Atem der Erde bis mitten ins Herz.“ Das ist der Titel des Buches, das Michaele Kundermann über ihre Erfahrungen auf dem Jakobsweg von Zamora nach Santiago geschrieben hat. Sie hatte ein großes Ziel vor Augen, hat sie sich doch als unerfahrene Wanderin einen Pilgerweg zugetraut! Ein Gefühl von Achtung entsteht in mir, ich bin neugierig, wie sie das schafft und was sie als Mentaltrainerin und Kinesiologin darüber schreibt. Meine Erwartung, dass der physisch bewältigte Weg sie psychisch verändert, wird nicht enttäuscht. Sie resümiert:

„Du bist ein Wanderer. Das Ende eines Tages ist der Anfang eines Neuen. Das Ende eines Weges bereitet dir einen neuen Weg.“
„Den Gipfel vergessend, erklimmst du den Berg Schritt für Schritt.“
„Akzeptiere deine Umwege, sonst kannst du sie nicht genießen. Sie sind für irgendetwas gut – und sei es nur, damit du Geduld übst.“

Diese Weisheiten sind auch für nicht-pilgernde Wanderer auf ihrem Lebens-Weg wertvoll. Was wir auf dem äußeren Weg erleben und wie wir ihn bewältigen, das prägt auch unseren inneren Weg. Wir wachsen und formen unsere Persönlichkeit, während wir die Augen offen halten und die Lehren des Lebens in ihrem Wert für uns begreifen. Das ist eine individuelle Leistung: Mit jeder Begegnung und mit jedem Erlebnis erweitern wir unseren Erfahrungsschatz und gewinnen persönliche Lebensweisheit.

Es erfordert Kraft, auf dem Weg zu sein. Du kannst dich selbst zu jedem Zeitpunkt unterstützen, wenn du deine persönlichen Kraftquellen (er)kennst. Besuche sie regelmäßig, ruhe dort aus und stille deinen Durst, bevor du gestärkt weitergehst. Schritt für Schritt. Deinem Ziel entgegen.

Auf dem Weg

Auf dem Weg

Hoffnungsvoll ausgreifender Schritt.
Ein Ziel vor Augen.
Pure Entschlossenheit.

Leidenschaftlich ergriffenes Handeln.
Schrittweise dem Ziel entgegen.
Getragen im Jetzt.

Ernüchternd um sich greifende Zweifel.
Das Ziel verschwimmt.
Schmerzende Unsicherheit.

Erleichternd Platz greifende Leere.
Der Weg wird zum Ziel.
Erfüllter Augenblick.

Im Sinne dieses Gedichtes wünsche ich Ihnen allen einen spannenden weiteren Lebensweg durch das Jahr 2013!

Konstanze Quirmbach

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