IST man eine Persönlichkeit? Oder HAT man eine Persönlichkeit?

Noch eine Variante: Jede Persönlichkeit wird sichtbar durch die Art zu Denken, die Welt zu sehen und in ihr zu handeln. Das unterliegt im Laufe jeden Lebens immer wieder stetiger Veränderung. Persönlichkeit hat man also nicht einfach nur, sondern man formt sie immer weiter aus.

Schon kleine Kinder zeigen manchmal Persönlichkeit: Sie bestimmen bereits im Sandkasten die Verteilung der Schippen und Formen; oder sie sammeln mit Inbrunst Tierchen, Blümchen, Muscheln, Kastanien und alles, was ihnen in der Natur interessant erscheint; oder reihen ihre Spielsache mit wachsender Begeisterung in einer Linie immer wieder neu auf, und und und. Jedes Kind hat bereits gewisse Eigenheiten, die wir als kleine Persönlichkeitsmerkmale erkennen. Aber selten kommt jemand auf die Idee zu glauben, diese Kinder könnten sich nun nicht mehr verändern oder weiterentwickeln. Ich glaube wir sind uns weitgehend einig: Hier ist noch viel Veränderung möglich.

Erwachsene jedoch fühlen sich häufig schnell in ihrer Persönlichkeit gefangen. Sie glauben wirklich, festgelegt zu sein und engen sich selbst immer weiter ein. Sie sagen: „Ich bin zu chaotisch“, oder „Wo ich bin, geht immer etwas kaputt“, oder „Ich kann nicht …“. Sie machen Veranlagungen zu einem Gefängnis und vergessen schnell, dass sie selbst der Gefängniswärter sind. Sie fühlen sich wie auf einer Insel, von der sie nicht herunterkommen können, weil es kein Boot gibt. Also machen sie es sich dort bequem.

Doch es gibt den Schlüssel zur Gefängnistür, es gibt genug Holz auf der Insel, um ein Floß oder ein Boot zu bauen! Ich will damit sagen: Persönlichkeit zu haben heißt nicht, für ein Leben lang festgelegt zu sein. Im Gegenteil. Ich betrachte es sogar als eine Aufgabe des Lebens, sich mit der stetigen Veränderung des Alterns und Wachsens auch um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu kümmern. Auf dem eigenen Weg erkennen wir uns selbst, feilen wir und modifizieren wir immer weiter, wer wir sind.  Anlagen und Charakterzüge sind der Boden, auf dem wir stehen, sind Handlung- und Entwicklungsgrundlage, nicht Festschreibung.

Ja, wir haben Spielraum! Spielen wir also damit, wie wir Beziehung gestalten, was wir in die Welt bringen und was wir ihr vorenthalten. Probieren wir spielerisch aus, was wir tun oder sagen können und lassen wir uns auf unerwartete Ergebnisse ein. Das macht das Leben nicht nur spannender, sondern vor allem auch abwechslungreich und lehrreich. So können wir von einer sicheren Basis aus dazu lernen und unseren Einflussbereich ausdehnen, überwinden mutig Ängste und stellen uns den Herausforderungen des Lebens. Jeden Tag neu ist jeder gefordert, sein eigener Coach und Chef zu sein: 1. sich auseinander zu setzen, 2. sich einen Rat zu geben, 3. eine Entscheidung zu treffen, und 4. nach seinen Überzeugungen zu handeln.  So reift Persönlichkeit.

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