Ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Grundlage für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben. Es ist nicht außerhalb, sondern nur in uns selbst zu finden.
„Weil Sie es sich wert sind“ – der bekannte Werbespruch suggeriert, dass, wenn wir etwas von hohem monetären Wert kaufen, auch unser innerer Wert steigt. Ein gutes Gefühl, zugegeben. Und nur zu gerne lassen wir uns zu dem Glauben verführen, dass es ruhig auch etwas teurer sein darf, wenn wir uns schon etwas gönnen. Eine Milchmädchenrechnung. Denn ganz so einfach funktioniert es nicht.
Wer sich mit wertvollen Dingen umgibt, der mag vielleicht an Ansehen, an persönlicher Freiheit und an Prestige gewinnen, aber ein stabiles Selbstwertgefühl stellt sich nicht automatisch als Folge davon ein.

Leistung als Grundlage von Selbstwert?
Natürlich zählt in einer Leistungsgesellschaft das, was wir erreichen. Wir nehmen diese Einstellung heute sozusagen mit der Muttermilch auf. Direkte und subtile Einflüsse suggerieren uns, dass wir sind, was wir schaffen. Es ist schwer, dieser Einstellung zu entgehen. Wert – und somit auch der Selbstwert – ist mit dem verbunden, was wir tun. Wer es zu etwas bringen will, damit er sich all das leisten kann, das er sich schließlich auch wert sein soll, der muss ackern, lernen und zielstrebig sein, bis er den angestrebten Lohn einstreichen kann. Doch kann er das tatsächlich? Anerkennung von außen bleibt hohl, wenn die Selbst-Anerkennung fehlt und endet mit einem Pseudo-Wertgefühl. Sobald die vermeintliche Ursache verschwindet, ist auch das Gefühl nicht mehr da.

Gefühle entstehen nicht im leeren Raum, sie sind das Ergebnis innerer Prozesse. Wenn es darum geht, das Selbstwertgefühl zu steigern, können wir aktiv dazu beitragen und bewusst nähren, was natürlich, gesund und kräftig wachsen soll. Es ist von Bedeutung, wie wir denken und was wir tun. In der Positiven Psychologie baut man auf die Erkenntnis, dass Verhalten den inneren Zustand beeinflusst, was sich danach umgekehrt wieder auf unser Verhalten auswirkt. So lässt sich das Gefühl von Selbstwert verstärken und durch gezielte Verhaltensweisen trainieren. Verhaltensweisen und Einstellungen beeinflussen sich gegenseitig: Sechs Verhaltenstipps zur Selbstwertsteigerung sollen dies verdeutlichen.

Erster Tipp: Nicht ausweichen, sondern sich trauen.
Es fühlt sich einfach gut an, sich den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Sich selbst agierend, statt ausweichend zu erleben, und seine eigenen Möglichkeiten auszuloten, stärkt Selbstvertrauen. Wer aktiv nach einer Lösung sucht, probiert etwas aus und kommt ins Handeln. Selbst dann, wenn sich keine optimale Lösung findet und das Ziel nicht erreicht wird, trägt die Erfahrung alleine schon zu einem stabileren Selbstwertgefühl bei. Ausweichen hingegen führt langfristig zu einem Gefühl des Versagens, ohne je versagt zu haben. Wer nichts wagt, der nichts gewinnt – wer nichts ausprobiert, erlebt sich nicht selbst. Dann bleiben Selbstachtung und Selbstvertrauen ebenfalls aus.

Zweiter Tipp: Tun, was man gerne tut.
Gehen Sie Ihrem Hobby nach, tun Sie etwas, das Sie einfach gerne tun und das Sie mit Freude erfüllt. Ganz unabhängig davon, ob es anderen gefällt und völlig ohne Ansehen des Ergebnisses, tragen solche Beschäftigungen zu einem inneren Glücksgefühl bei. Übergeben Sie Ihrem Herzen ab und zu die Führung und lassen Sie zu, dass alles andere unwichtig wird und Sie es völlig vergessen.

Dritter Tipp: Bewusstheit schaffen
Nehmen Sie sich Zeit, darüber zu reflektieren, was Sie erfüllt und wie Sie sich fühlen. Machen Sie sich bewusst, was in Ihnen vorgeht. Schaffen Sie sich kleine Zeitfenster, zum Beispiel in einem Morgen- oder Abendritual, schreiben Sie sich alles von der Seele (Affirmationstagebuch), kultivieren Sie bewusst Ihre Gedanken auf Ihre eigene Weise, die zu Ihnen passt.

Vierter Tipp: bewusste Bescheidenheit
Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl brauchen sich nicht wichtig zu tun. Sie müssen nicht auffallen, müssen nicht unangemessen laut reden, brauchen kein auffälliges Schulterklopfen. Sie sind im Einklang mit sich. Wer sich auf den Weg zu diesem Ziel macht, sollte selbst zunächst eine Vorstellung davon entwickeln, was Bescheidenheit impliziert. Sich bescheiden zu verhalten, hat einen Effekt. Es lässt zu Bewusstsein kommen, wo man selbst steht: Kommt der Wunsch nach mehr Anerkennung von außen auf? Oder kann man anderen den Vortritt, ihnen ihre Wahrheit lassen, ohne ungefragt überzeugen zu wollen? Gelingt es, bescheiden im Hintergrund zu bleiben und sich doch wert-voll und sicher mit sich selbst zu fühlen?

Fünfter Tipp: Zufriedenheit durch Integrität
Integrität setzt Lebensethik voraus. Aus ihr ergibt sich Sinn im Leben: was Wert hat, warum wir etwas tun oder nicht, welche Ziele wir für uns und andere verfolgen. Innerhalb unserer vielfältigen Gesellschaft ergeben sich Ethik und Menschlichkeit nicht mehr aus einer vorhersehbaren, kulturellen Prägung, sondern wachsen aufgrund aktiver Entscheidungen. Wer seine Werte kennt, kann sein Verhalten danach ausrichten und darin Aufrichtigkeit erfahren. Wenn man weiß, wofür man sich einsetzt, stellt sich ein tiefes Gefühl innerer Zufriedenheit ein.

Sechster Tipp: den Geist loslassen und Ruhe finden
Die Hirnforschung stellt alles auf den Kopf, was bisher als gesichertes Wissen galt: Das Gehirn verändert sich mit den Erfahrungen, die wir machen. So weiß man heute, dass in der Erfahrung von innerer Stille und Nichtstun viel Positives im Gehirn geschieht. Nicht denken, den Geist loslassen, den Atem fließen lassen und allenfalls absichtslos lächelnd ins Leere schauen. Den Blick nach innen oder auf den Horizont gerichtet, lässt sich Weite erfahren, auf der Selbstvertrauen und Selbstwertgefühle wachsen. Dazu gibt es eine bezeichnende Erkenntnis von Albert Camus: „Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es einen unbesiegbaren Sommer in mir gibt.“

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