Wie stark stehen Sie unter Strom? Wünschen Sie sich auch manchmal, einfach den Stecker ausziehen zu können und abzuschalten?

Kaum öffnen wir am Morgen unsere Augen, beginnt der Strom der Gedanken durch uns hindurchzufließen. Es dauert nicht lange und wir sind schon mitten im Tag, haben schon einige Probleme gelöst und bauen andere gerade massiv vor uns auf, noch während wir unter der Dusche stehen oder Zähne putzen.

Unsere Gedanken eilen uns voraus

Häufig sind wir zwar körperlich anwesend, aber dennoch bewegen wir uns in einer inneren Welt, in einer anderen Zeit – bereits vergangen oder noch vor uns liegend. Wir organisieren, arrangieren, definieren, wir sorgen oder freuen uns, be- oder verurteilen, prognostizieren oder resümieren. Das Ergebnis: Die meiste Zeit sind wir überall, nur nicht im gegenwärtigen Moment. Im Umfeld und an uns selbst sehen wir, wohin ständige innere Anspannung führen kann: erhöhte Reizbarkeit, Dünnhäutigkeit und emotionale Ausraster, Überforderung, Gefühle von Hilflosigkeit und schlimmstenfalls Burnout-Erscheinungen. Wenn zu viel auf uns einstürmt und der Fluss des Lebens zu heftig wird, zu viel von uns fordert, sind wir in Gefahr, weggespült zu werden und uns dort wiederzufinden, wo wir gar nicht hinwollten.

Mehr im Körper, weniger im Kopf sein

Achten Sie einen Moment lang nicht auf das Geschriebene, sondern auf sich selbst:
Wie ist Ihre Körperhaltung, spüren Sie Anspannung? Sind Sie in Eile oder lesen Sie in Ruhe? Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf? Was fühlen Sie jetzt in diesem Moment? Könnten Sie JETZT alles für ein paar Sekunden loslassen? Und das mit einem entspannten Lächeln begleiten?

Wenn Sie bei diesen Fragen mitgegangen sind, haben Sie von Denken auf Fühlen und Beobachten umgestellt. Ihre Aufmerksamkeit hat sich verändert: Sie haben in sich hineingespürt, waren mehr im Körper und weniger im Kopf.

Was gewinnen wir, wenn wir den Strom der Gedanken unterbrechen und uns einen Moment ausklinken – den Stecker ausziehen?

Ich habe ein Bild vor Augen: Den Strom abzuschalten fühlt sich an, als ließe ich mich in das Auge des Sturms fallen. Plötzlich wird es ruhig. Völlige Stille in mir, trotz der tosenden Unruhe um mich herum. Für einen Augenblick bin ich nur Beobachter und verschmelze mit dem Zentrum, von dem aus ich mich in meiner Situation erkenne. Ich werde mir meiner selbst bewusst, bin in völligem Gewahrsein mit dem gegenwärtigen Augenblick.

Mini-Momente der Achtsamkeit erden

Elisha Goldstein, Achtsamkeitslehrer und Psychotherapeut, rät zu Mini-Momenten der Achtsamkeit. Sie erden uns und wir verbinden uns in diesen Augenblicken mit uns selbst. Nur ein paar Sekunden Selbst-Gewahrsein genügen für diese intensive innere Entspannungsübung.

Möchten Sie vielleicht noch ein paar Hinweise?
Ich schreibe einige Fragen auf, von denen Sie sich leiten lassen können. Auch wenn ich hier viele Worte mache, lässt sich das Bild innerer Befindlichkeit schnell zeichnen. Körper, Seele und Geist scannen das Gesamtbild in Millisekunden:

Ort: Wo bin ich? Wovon umgeben? Mit wem zusammen? Welche Formen und Farben sehe ich?
Körper: Wie ist meine Körperhaltung? Bin ich verspannt? In welchen Körperbereichen genau?
Gefühle: Wie fühle ich mich? Frustriert, zufrieden, ärgerlich, ruhig, überlegen, überfordert? Was sagt mein Bauchgefühl?
Gedanken: Stecke ich in alten Erfahrungen oder Zukunftsvisionen? Sorge ich mich, schimpfe ich auf mich oder andere, katastrophiere ich oder beschönige ich?

Probieren Sie es aus, durchlaufen Sie innerlich diese vier Schritte und finden Sie Ihre Antworten. Atmen Sie dabei tief durch und lassen Sie das innere Bild entstehen, bleiben Sie in der neutralen Beobachterposition. Der Atem ist das Zentrum und der Ausgangspunkt des Spürens. Kehren Sie auch dorthin zurück, um die Übung abzuschließen.

Wie geht es Ihnen damit? Möchten Sie Ihre Erfahrungen gerne mitteilen? Dann schreiben Sie doch einen Kommentar!
Ich wünsche Ihnen entspannte Momente, in jeder Stunde ein paar Sekunden.

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