Der eilige Geist ist ein sehr un-heiliger Geist.

Er kommt in den unpassendsten Momenten, völlig ungefragt. Respektlos drängt er sich auf, ohne eingeladen zu sein und bringt eine ganze Menge ebenso unwillkommener Gesellen mit: störende Gedankenfetzen.

Leinenkunst: Gewebe

Gedankenfetzen schwirren durch den Kopf:

– … noch so viel zu tun …
– … darf ich nicht …
– … muss ich noch machen …
– … rennt die Zeit davon …
– … hab keine Lust mehr …
– … darf ich nicht vergessen …
– … passt jetzt nicht …

Ich nenne ihn den „eiligen Geist“, weil er mich antreibt, schnell weiter zu kommen, oder die Panik auslöst, ich käme nicht gut genug voran. Zusätzlich macht er oft das mies, was ich mir gerade vorgenommen habe oder was ich tue. Auf jeden Fall schafft er es irgendwie, für ein schlechtes Gewissen zu sorgen oder mich zu verunsichern. Die Konzentration ist gestört, ich werde in einen inneren Dialog hineingezogen, den ich so eigentlich gar nicht wollte.

Die Säge schärfen

Wie oft nehmen wir uns vor, dass wir nicht mehr so im Hamsterrad rennen, sondern uns mehr Zeit für uns selbst nehmen möchten. Erstens brauchen wir es zur Regeneration unserer inneren Kräfte und zweitens ist es für die Gesundheit unentbehrlich. Doch gerade dann kommen die störenden Gedanken und treiben uns an, so als wäre es falsch oder nicht erlaubt, seine Pausen zu nehmen, wenn man sie braucht. Ich erinnere an das berühmte Beispiel von dem Holzarbeiter, der keine Zeit hat, seine Säge zu schärfen, weil er doch das Holz sägen muss. (Aus Steven R. Covey: Die Sieben Wege zur Effektivität) – Und, was ist die Auswirkung?

Wenn ich mir Zeit für mich nehmen möchte, wenn ich meine Yogamatte ausrolle, wenn ich mich zur Meditation hinsetze, oder mein Hund mich daran erinnert, dass es für einen Spaziergang Zeit ist, dann fühle ich mich manchmal wie dieser Holzarbeiter. Zweifel kommen mir, ob ich wirklich Zeit habe, die Pause zu machen. Und damit auch „meine Säge“ zu schärfen.

„Es genügt nicht zu wissen, man muss es auch tun.“

Das Wissen darum, wie hilfreich und inspirierend diese täglichen kleinen Auszeiten für Regeneration und Entwicklung des Gehirns sind, für die Beruhigung der Nerven, die Stärkung der Persönlichkeit, den beruflichen Erfolg, die Fokussierung auf das Wesentliche, die Körperfitness und auch für die Wachheit des Geistes – all das nur zu wissen, genügt nicht, wie Herr Goethe schon sagte. Zu dem Wissen muss das Spüren kommen, damit wir uns der körperlichen, positiven Auswirkung gewahr werden und sie uns bewusst bleiben. Wissen und spüren wird zu einer Erfahrung. Der Körper kann sich erinnern, wie gut ihm das getan hat, und wir fügen diese Erinnerung dem Wissen hinzu, machen es vollständig.

Seine Säge zu schärfen, seine Kraft und Frische immer wieder zu erneuen, ist die unabdingbare Voraussetzung für Gelingen. Die meisten von uns glauben, keine Zeit dazu zu haben, fühlen sich von ihren Aufgaben getrieben. Doch damit schneiden wir uns ins eigenen Fleisch. Diese An-Sicht ist eine sehr verkürzte Sicht, aus der sich „eilige Geist“ speist. Sehen wir das Gesamtbild, wird der Sinn des Sägeschärfens nicht nur klar, sondern es wird deutlich, dass es unverzichtbar ist.

Die kleinen Dinge

„Wenn ich manchmal bedenke, welch riesige Konsequenzen kleine Dinge haben …, bin ich versucht zu glauben, … dass es gar keine kleinen Dinge gibt.“ Bruce Barton findet fast poetische Worte für diese Wahrheit.

Welche kleinen Dinge könnten das sein, mit denen wir tatsächlich unsere Säge schärfen?

Mir fällt Dankbarkeit ein. Und mir fällt ein, wie klein der Zeitraum einer Minute ist und wie erholsam wir diese Minute nutzen, wenn wir nur mit leerem Blick und leerem Kopf dasitzen und in die Welt schauen. Mir fällt die Wirkung des Lachens ein: eine Minute Lachen löst Denkblockaden und erfrischt den Geist. Und sehr gerne nehme ich mir auch einfach ein Buch zur Hand, lese ein Gedicht, oder versenke mich in etwas ästhetisch Schönes, weil auch das mein Gehirn irgendwie wieder freier und frischer macht. – Was sind Ihre kleinen Tricks und und kleinen Dinge, mit denen Sie Ihre Säge schärfen?

Akzeptieren, wenn es mal nicht klappt

Zugegeben, das klappt nicht immer. Häufig treibt mich der eilige Geist doch, lasse ich mich von den Gedankenfetzen pushen und gehe über Leistungsgrenzen. Nicht immer gelingt es, früh genug zu bemerken, wann die Zeit zum Aufladen der Batterie – zum Sägeschärfen – gekommen ist. Und während es besser und besser wird, weil ich es so möchte, habe ich mir eine Affirmation zurechtgelegt: „Ich habe Geduld mit mir und meinen eiligen Geistern.“

**********************

Der Beitrag gefällt Ihnen? Gerne dürfen Sie den Text kopieren und mit Angabe der Quelle (Name des Blogs und Verlinkung zu diesem Beitrag) in Ihrem Blog veröffentlichen.
Oder einfach den Beitrag tweeten/retweeten. Danke.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.