Kommt Ihnen das bekannt vor? Déja vu: Sie sprechen mit jemandem und hören vor allen Dingen das, was Ihr Gegenüber gar nicht ausdrücklich sagt.
Zum Beispiel sagt Ihr Partner/Ihre Partnerin zu Ihnen „Gehst du schon wieder mit deinen Freunden weg?“ – Sie verstehen: „Du interessierst dich mehr für andere und lässt mich allein. Du bist Schuld, dass ich mich schlecht fühle.“ Und schon sind Sie versucht zu antworten: „Dann geh Du doch auch mit Deinen Freunden weg, bist ja selbst schuld, wenn Du alleine hier herum sitzt!“
Oder jemand sagt: „Hätte ich mir ja denken können, dass du das vergisst!“ Sie hören: „Auf dich ist kein Verlass. Ich bin dir ganz gleichgültig und jetzt bin ich sauer. Du solltest wirklich anders sein, als du bist und mehr an mich denken.“ Ihre Reaktion könnte nun eine innere Distanzierung sein, denn diesen „Vorwurf“ empfinden Sie als völlig ungerechtfertigt. Bei den vielen Dingen, die Sie im Kopf haben, ist es doch kein Wunder, dass Sie eine Banalität (Ihre Interpretation) auch mal vergessen können. Sie sind beleidigt und ziehen sich zurück – oder Sie geben irgendeinen anderen Vorwurf zurück. Das Vertrauen leidet, keiner kennt die wirklichen Beweggründe des jeweils anderen.

Was wir verstehen, wenn jemand eine unklare Botschaft an uns richtet, bleibt ganz alleine unserer eigenen Interpretation überlassen. Missverständnissen und misslichen Gefühlen sind durch unklare Botschaften Tür und Tor geöffnet. Wo ein versteckter Vorwurf gemacht oder gehört wird, lässt eine entsprechende Reaktion nicht lange auf sich warten und die Situation kann außer Kontrolle geraten, wenn sich die Beteiligten diesen Ball weiter zuspielen.

Wie lassen sich ungewollte Eskalationen vermeiden? Wie so oft im zwischenmenschlichen Kontakt bedarf es der Achtsamkeit. Schnell plappern wir etwas dahin, ohne wirklich vorher nachzudenken. Sehr verständlich, wenn etwas anderes ankommt, als gemeint war – oder es kommt genau das an, was wir gemeint haben, aber uns nicht getraut haben, auszusprechen. So halten wir uns ein Hintertürchen offen abzustreiten, was der andere verstanden haben mag. Schließlich haben wir DAS nicht SO gesagt.

Unser Gehirn kann in Bruchteilen von Sekunden eventuelle Doppeldeutigkeiten unserer Worte scannen. Blitzschnell erfassen wir möglich Konsequenzen. Sind wir so achtsam, diesen Schritt vor dem Sprechen zu machen, können wir anstatt nur irgendetwas zu sagen, das zum Ausdruck bringen, was wir auch WIRKLICH sagen wollen. Um zu dem Beispiel zurückzukommen – Man könnte sagen: „Ich fühle ich mich alleine gelassen und würde auch gerne mehr Zeit mit Dir verbringen.“ Das weitere Gespräch wird sich dann nicht um Vorwürfe und Schuld drehen, sondern um das Gefühl, um das es in der Situation wirklich geht. Das ist eine Chance, Vertrauen entstehen und wachsen zu lassen. Es wird Nähe und echte Begegnung möglich.

Worte machen den ganzen Unterschied. Was gesagt ist, lässt sich nicht zurücknehmen. Es lohnt sich deshalb, achtsamer mit unseren Worten umzugehen, wenn uns an der Beziehung liegt und daran, richtig verstanden zu werden. Das Leben mit anderen Menschen wird sehr viel einfacher, wenn wir sagen was wir wirklich meinen, oder aber schweigen.

Fazit: Wer redet, kann missverstanden werden. Aber Reden ist auch der einzige Weg, um RICHTIG verstanden zu werden.

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