„Wer Tore schießen will, muss frei sein im Kopf.“
(Jürgen Klinsmann, Fußballtrainer)

Das gilt nicht nur für den Fußball. Auch im ganz normalen Leben gelingt das „Tore schießen“ dann am ehesten, wenn keine Gedanken dazwischen funken. Der „freie Kopf“ sorgt in diesen Fällen dafür, dass uns all unser Wissen und Können intuitiv und ganzheitlich zur Verfügung stehen. Ohne über Einzelheiten nachdenken zu müssen, erfassen wir dann die Situation und lösen die anstehenden Aufgaben aus dem vorhandenen Gesamtwissen heraus: Kopf, Herz und Bauch ergänzen sich optimal und harmonieren miteinander.

Zwischen Stress und Gelassenheit

Ich kenne niemanden, der nicht lieber gelassen als gestresst wäre. Denn Stress blockiert uns, macht uns hektisch und unkontrolliert, weil wir uns der Situation nicht gewachsen fühlen oder alles zu viel ist. Dauerstress hinterlässt auch körperlich und geistig seine Spuren: Wir verlieren den Überblick, treffen schlechtere Entscheidungen und werden anfällig für alle möglichen, auch körperlichen Leiden und Krankheiten.
Gelassenheit dagegen ermöglicht das „Lassen“: Die Dinge so sein lassen, wie sie sind; Probleme loslassen; Entwicklung zulassen; sich einlassen; etwas lassen. Gelassenheit verbinden wir mit einem Zustand innerer Ruhe, bei dem wir uns wohlfühlen und uns nicht anstrengen müssen. Keine Frage, dass ein solcher Zustand innerer Freiheit im Kopf auch der Gesundheit zuträglicher ist.
Loslassen

3 Schritte zur Freiheit im Kopf

1. Sehen versus Bewerten

Zunächst müssen wir wieder lernen, schlicht und einfach nur das zu sehen, was vor unseren „Augen“ ist. Nur Formen, Farben, Namen, Bezeichnungen: ein Mädchen; ein Auto; ein Regentropfen; eine rote Blume; ein Gefühl; ein Gedanke. Es ist, was es ist.
Die Welt so zu sehen, ist eine große Herausforderung, denn der Weg zwischen Wahrnehmung und Reaktion ist kurz. Normalerweise binden wir sofort Erfahrungen mit ein und beginnen zu bewerten. Wir teilen schnell ein in nützlich oder nicht, in angenehm oder unangenehm, in gut oder schlecht. Damit verändern wir bereits, was wir wahrnehmen: Wir erzählen uns innerlich Geschichten, entwickeln Erwartungen, fällen ein Urteil und so weiter.
Der erste Schritt zu mehr Gelassenheit ist deshalb das bewusste Loslassen aller Bewertungen und das wohlwollende und annehmende Sehen dessen, was wir gerade im jeweiligen Moment wahrnehmen.

2. Fokus und Weitblick

Mit unserer Wahrnehmung können wir spielen. Es ist uns möglich, einen bestimmten Ausschnitt anzusehen und uns ganz auf ein Detail einzulassen. Wie mit dem Leuchtkegel einer Taschenlampe fokussieren wir einen Ausschnitt aus dem Ganzen. Dort halten wir die Aufmerksamkeit und bezeichnen es innerlich.
Das Umfeld des Ausschnittes bleibt uns währenddessen auch bewusst, selbst wenn wir den Fokus auf eine bestimmte Sache richten. Das gilt für das Sehen (und die anderen Sinne) genauso wie für das Fühlen und Denken. Wie wir den Blick entweder ganz scharf stellen und fokussieren oder ihn weich und weit (Gesichtsfeld auf 180 Grad) stellen können, so haben wir auch innerlich die Möglichkeit, zwischen enger Betrachtung und weitem Sinn-Zusammenhang zu wechseln.

3. Konfrontation und Akzeptanz

Im dritten Schritt führen wir alles zusammen. Wir schauen hin, fokussieren und benennen was im Fokus ist, z.B. den Konflikt, ein Gefühl, die innere Not, die angenehmen oder unangenehmen Gedanken etc.; dann weiten wir den Blick und nehmen das größere, weite gedankliche Umfeld wahr. Alles ist eingebettet in einen größeren Zusammenhang und alles hat immer mehrere Seiten. Es ist, wie es ist.
Wenn wir fokussieren, halten wir das einen Moment lang aus und akzeptieren, dass wir in diesem Moment keine Lösung dafür haben. Aus diesem Augenblick der Akzeptanz entwickelt sich Neues. Und auch ohne zu wissen, was das sein wird, entsteht mit der Zeit mehr Vertrauen in den Prozess. Wir bemerken: Alles verändert sich ohnehin. Ob mit oder ohne unser Zutun, das kann sich später entscheiden.

Introvision

Die hier verkürzt beschriebenen Schritte beziehen sich auf die Methode der Introvision: „Gelassenheit durch Auflösung innerer Konflikte“ (Kohlhammer Verlag, 2007). Sie wurde von Professor Dr. Angelika C. Wagner (Pädagogische Psychologie) in der langjährigen Arbeit einer Forschungsgruppe der Universität Hamburg entwickelt und kombiniert Achtsamkeit mit Akzeptanz.
Wer mich kennt weiß, dass ich diese Kombination für unschlagbar halte, wenn es um Selbstveränderung geht. Gerade weil Achtsamkeit wohlwollende Akzeptanz des Augenblicks ohne Bewertung beinhaltet, entsteht in diesen Momenten große Freiheit im Kopf, die den eigenen Handlungsspielraum beträchtlich erweitert.
Affirmationskarte
Dies ist eine von 70 Affirmationen aus meinem Buch „Ich bin da. Sich SELBST BEWUSST wahrnehmen
Es freut mich ganz besonders, dass eine wissenschaftliche Studie so eindeutig den Wert dieser inneren Haltungen nachweist und Achtsamkeit und Akzeptanz sich immer mehr in Beratung und Coaching durchsetzen, weil sich aus ihnen eine große Kraft sanfter Veränderung entfaltet.

Und damit auch Sie zukünftig wirklich das Tor immer öfter treffen: Sorgen Sie gut für sich und dafür, dass Sie einen freien Kopf behalten.

Herzlichst
Konstanze Quirmbach

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